Zum Inhalt
ergo4me
03 · Schmerz

Spiegeltherapie: üben mit dem Bild der gesunden Seite

Bei der Spiegeltherapie bewegst du die gesunde Hand oder den gesunden Fuß vor einem Spiegel, sodass dein Gehirn die Bewegung der betroffenen Seite sieht, obwohl diese verdeckt bleibt. Das Verfahren kommt vor allem bei CRPS, bei Phantomschmerz nach einer Amputation und bei einer Armlähmung nach Schlaganfall zum Einsatz. Bei ergo4me in Erfurt lernst du die Übung in der Ergotherapie und führst sie danach zu Hause weiter.

Einsatz

Wofür Spiegeltherapie eingesetzt wird

Spiegeltherapie setzt nicht an der betroffenen Seite selbst an, sondern an dem Bild, das dein Gehirn von ihr hat. Deshalb wird sie vor allem dort eingesetzt, wo dieses Bild gestört ist oder Bewegung noch zu schmerzhaft, zu schwach oder zu unsicher ist, um sie direkt zu üben, und ergänzt dort andere Übungen, statt sie zu ersetzen. Für drei Beschwerdebilder ist sie am häufigsten untersucht, die Studienlage ist aber unterschiedlich gut, am besten nach Schlaganfall:

CRPS. Beim komplexen regionalen Schmerzsyndrom hat das Nervensystem gelernt, die betroffene Hand oder den betroffenen Fuß als Gefahr zu behandeln. Spiegeltherapie zeigt eine schmerzfreie Bewegung, ohne die Stelle selbst direkt zu belasten, und kann so helfen, dieses Alarmmuster langsam zu verändern.

Phantomschmerz. Nach einer Amputation kann der fehlende Körperteil weiter schmerzhaft empfunden werden. Der Spiegel zeigt dem Gehirn eine bewegte, vollständige Gliedmaße und kann so die Wahrnehmung der betroffenen Seite verändern.

Armlähmung nach Schlaganfall. Wenn ein Arm nach einem Schlaganfall nicht mehr richtig mitmacht, kann das Spiegelbild der gesunden Seite die Ansteuerung der betroffenen Seite unterstützen, meist als ein Baustein unter mehreren in der Reha, ergänzend zu Bewegungs- und Krafttraining.

Diese Beschreibung ersetzt keine ärztliche Diagnose.

Ob Spiegeltherapie für dich sinnvoll ist, hängt von deinem Befund ab und wird in der Ergotherapie gemeinsam mit dir eingeschätzt. Die Diagnose stellt deine Ärztin oder dein Arzt, die Methode wählt die Therapie passend dazu.

Ablauf der Therapie

Wie eine Sitzung abläuft

Spiegeltherapie ist eine von mehreren Übungen innerhalb einer ergo­therapeutischen Behandlung, meist eingebettet in ein größeres Programm für Bewegung und Wahrnehmung, nicht als einzelne, isolierte Maßnahme. So ist eine Sitzung aufgebaut:

Aufbau. Ein Spiegel wird so aufgestellt, dass die betroffene Seite dahinter verschwindet und stattdessen das Spiegelbild der gesunden Seite genau an ihrer Stelle erscheint, sodass der Eindruck von zwei gesunden Seiten entsteht.

Übung. Du bewegst die gesunde Hand oder den gesunden Fuß langsam und beobachtest dabei nur das Spiegelbild, während die betroffene Seite verdeckt bleibt und in Ruhe liegen kann. Nach einem Schlaganfall wird sie oft, so weit es geht, mitbewegt.

Graded Motor Imagery als Vorstufe. Bei CRPS oder Phantomschmerz kann vor der eigentlichen Spiegeltherapie ein Stufenprogramm stehen: erst das schnelle Erkennen von linker und rechter Hand auf Bildern, dann die reine Vorstellung einer Bewegung, erst danach folgt der Spiegel.

Übung zu Hause. Was du bei uns lernst, übst du in kurzen Einheiten mehrmals täglich zu Hause weiter, weil regelmäßige Wiederholung für diese Übung wichtiger ist als eine einzelne, lange Sitzung.

Fortschritt einschätzen. Gemeinsam schauen wir uns an, wie sich Bewegung, Wahrnehmung oder Schmerz seit der letzten Sitzung verändert haben, und passen Übung und Tempo entsprechend an.

Wie viele Einheiten sinnvoll sind und wie die Übung gesteigert wird, besprechen wir laufend mit dir und passen das Vorgehen daran an, wie du darauf reagierst. Auftretende Beschwerden wie Schwindel oder Unwohlsein während der Übung besprichst du am besten gleich mit deiner Therapeutin oder deinem Therapeuten, damit die Übung entsprechend angepasst werden kann.

Ablauf

Der Weg zur
Verordnung

Spiegeltherapie wird innerhalb einer Ergotherapie eingesetzt, und die ist eine Kassenleistung mit Heilmittel­verordnung. So kommst du zu deinem ersten Termin:

Schritt 01

Verordnung

Deine Ärztin oder dein Arzt stellt dir eine Heilmittel­verordnung aus.

Schritt 02

Terminwunsch

Du rufst an oder schickst uns deinen Terminwunsch. Vier Angaben genügen.

Schritt 03

Erster Termin

Wir nehmen uns Zeit für den Befund und deine Ziele.

Quellen

Woher die Informationen
stammen

Die Angaben zur Spiegeltherapie nach Schlaganfall stützen sich auf eine wissenschaftliche Übersichtsarbeit und die Leitlinie zur Armlähmung, die zu CRPS auf die ärztliche CRPS-Leitlinie. Für Phantomschmerz ist keine eigene Quelle angegeben. Jede Quelle ist mit Stand und Abrufdatum angegeben.

Fragen

Häufige Fragen zur Spiegeltherapie

Wie läuft eine Übung mit dem Spiegel ab?

Du bewegst deine gesunde Hand oder deinen gesunden Fuß vor einem Spiegel, während die betroffene Seite dahinter verdeckt bleibt. Das Spiegelbild zeigt deinem Gehirn eine bewegte betroffene Seite. Das soll deinem Gehirn helfen, Bewegung und Wahrnehmung dieser Seite neu einzuordnen. Die betroffene Seite muss dabei nicht bewegt werden, nach einem Schlaganfall wird sie aber oft, so weit es geht, mitbewegt.

Bei welchen Beschwerden wird Spiegeltherapie eingesetzt?

Vor allem bei CRPS, bei Phantomschmerz nach einer Amputation und bei einer Armlähmung nach Schlaganfall. In allen drei Fällen ergänzt sie ein größeres Behandlungs­programm. Ob sie zu deinem Beschwerdebild passt, klären wir vor Beginn der Behandlung gemeinsam mit dir.

Brauche ich eine Verordnung dafür?

Ja, eine Heilmittel­verordnung für Ergotherapie. Sie kann aus der Neurologie, der Chirurgie, der Orthopädie oder der Hausarztpraxis kommen. Spiegeltherapie selbst wird nicht eigens verordnet, sie ist eine Methode innerhalb der Ergotherapie. Ob sie bei dir passt, legt deine Therapeutin oder dein Therapeut gemeinsam mit dir fest.

Was ist Graded Motor Imagery?

Ein Stufenprogramm, das vor allem bei CRPS und Phantomschmerz vor der Spiegeltherapie stehen kann: erst das Erkennen von linker und rechter Hand auf Bildern, dann die reine Vorstellung von Bewegung, erst danach der Spiegel. So wird die Bewegung schrittweise vorbereitet, ohne die betroffene Seite zu belasten.

Muss ich zu Hause weiterüben?

Meist ja. Bei der Spiegeltherapie kommt es vor allem auf regelmäßige Wiederholung an, deshalb bekommst du eine Übung mit, die du in kurzen Einheiten mehrmals am Tag zu Hause fortführst, so wie du es bei uns gelernt hast. Fragen zur Übung klärst du am besten beim nächsten Termin.

Tut die Übung weh?

Sie soll es nicht. Der Spiegel zeigt eine schmerzfreie Bewegung, und wenn eine Übung stattdessen Schmerz oder starken Schwindel auslöst, wird sie kleiner, langsamer oder anders aufgebaut. Sag deshalb sofort Bescheid, wenn dir bei einer Übung etwas unangenehm ist.

Weiterlesen

Das könnte dich
auch interessieren

  • CRPS

    Das komplexe regionale Schmerzsyndrom nach Verletzung oder Operation an Hand oder Fuß: Anzeichen und Behandlung, in der Spiegeltherapie ein Baustein unter mehreren ist.

  • Schlaganfall

    Wenn eine Körperseite nach einem Schlaganfall nicht mehr richtig mitmacht: wie Ergotherapie Arm, Hand und Alltag gezielt trainiert und welche Bausteine dazugehören.

Termin

Passt Spiegeltherapie zu dir?

Ob und wann Spiegeltherapie in deiner Behandlung eingesetzt wird, besprechen wir gemeinsam, ausgehend von deiner Verordnung und deinem Befund. Wenn du unsicher bist, ob das Verfahren zu deinen Beschwerden passt, ruf uns an: Wir sagen dir ehrlich, was wir einschätzen können und was die ärztliche Praxis klären muss, bevor wir gemeinsam einen Plan aufstellen.

Jetzt anrufen
Kontakt

Sprich uns an

Adresse
ergo4me · Lissabonner Str. 2 · 99091 Erfurt · Polyklinik Nord
Telefon
0361 21230093
E-Mail
kontakt@ergo4me.de
Zeiten
Mo–Fr 07:00–18:30 Uhr