Long Covid: Hirnleistungstraining für Kopf und Alltag
Nach einer Covid-19-Erkrankung bleiben bei manchen Menschen Beschwerden zurück oder treten neu auf, die Wochen oder Monate anhalten: Konzentration und Gedächtnis lassen nach, die Kraft reicht kaum noch für den Tag. Hirnleistungstraining kann dabei helfen, mit diesen Veränderungen umzugehen, ohne die eigene Belastungsgrenze zu überschreiten. Bei ergo4me in Erfurt arbeiten wir dafür mit gezieltem Training und mit Pacing, dem bewussten Einteilen deiner Kräfte.
Woran man Long Covid im Kopf merken kann
Long Covid zeigt sich sehr unterschiedlich, und nicht jede Beschwerde tritt bei jedem auf. Manche Beschwerden bessern sich innerhalb einiger Monate von selbst, andere bleiben länger bestehen und brauchen gezielte Unterstützung. Im Bereich von Denken und Belastbarkeit tauchen aber bestimmte Muster besonders häufig auf, oft in Kombination:
Konzentration. Die Aufmerksamkeit lässt schneller nach als vor der Erkrankung: Einem Gespräch oder Text kannst du oft nur noch wenige Minuten am Stück folgen.
Gedächtnis. Namen, Termine oder eben gelesene Informationen sind schwerer abrufbar. Manche beschreiben Wortfindungsstörungen, bei denen ein Wort spürbar da ist, aber nicht kommt.
Fatigue. Eine tiefe, ungewohnte Erschöpfung, die sich durch Schlaf allein nicht auflöst und den Alltag schon bei kleinen Anforderungen ausbremst.
Belastungsintoleranz (PEM). Nach körperlicher oder geistiger Anstrengung verschlechtern sich die Beschwerden oft erst zeitversetzt, manchmal erst am nächsten Tag, und halten dann tagelang an. Diese sogenannte post-exertionelle Malaise betrifft nicht alle, ist aber ein wichtiges Warnzeichen und sollte ärztlich abgeklärt werden, auch mit Blick auf ME/CFS.
Diese Beschreibung ersetzt keine ärztliche Diagnose.
Ob Beschwerden wie diese tatsächlich zu Long Covid gehören oder eine andere Ursache haben, klärt deine Ärztin oder dein Arzt, oft, indem sie oder er andere Ursachen ausschließt. Hirnleistungstraining setzt an, wenn Konzentration, Gedächtnis oder Belastbarkeit den Alltag spürbar einschränken, und passt sich dabei deiner Tagesform an, nicht umgekehrt.
Was Ergotherapie dabei tut
Bei Long Covid geht es nicht darum, mit mehr Training schneller wieder leistungsfähig zu werden. Solange Belastungsintoleranz oder PEM im Vordergrund stehen, hat das Einhalten der eigenen Grenze Vorrang vor jeder Steigerung, weil Überforderung Rückschläge auslösen kann, die Tage bis Wochen zurückwerfen. Deshalb arbeiten wir mit diesen Bausteinen:
Pacing. Aktivität und Pausen werden bewusst geplant, bevor die Erschöpfung eintritt, nicht erst danach. Ziel ist, innerhalb der eigenen Belastungsgrenze zu bleiben und einen Einbruch im Anschluss zu vermeiden.
Energieplanung. Gemeinsam schauen wir, wofür am Tag wie viel Kraft eingeplant wird und wo sich Aufgaben verteilen, verkürzen oder anders anordnen lassen, damit am Ende noch Energie übrig bleibt.
Konzentrations- und Gedächtnistraining. Übungen am Tisch oder computergestützt trainieren Aufmerksamkeit und Gedächtnis in kurzen Einheiten, die so dosiert sind, dass sie keinen Einbruch auslösen. Dazu kommen Strategien wie feste Notizsysteme, die den Kopf entlasten.
Alltagstransfer. Was in der Therapie gelingt, übertragen wir gezielt auf Beruf, Haushalt und Familie, damit Pacing nicht nur in der Theorie funktioniert, sondern im echten Tag trägt.
Wie viel Übung möglich ist, hängt stark vom Tagesverlauf und von früheren Rückschlägen ab und kann sich von Woche zu Woche ändern, manchmal auch von einem Tag zum nächsten. Wir passen den Plan entsprechend an, arbeiten in kleinen, überprüfbaren Schritten und halten Kontakt zur behandelnden Ärztin oder zum behandelnden Arzt, damit Diagnose und weitere Behandlung zusammenpassen. Medikamente und die Abklärung anderer Ursachen bleiben Sache der ärztlichen Praxis, wir ergänzen sie im Bereich Kopf und Alltag.
Der Weg zur
Verordnung
Hirnleistungstraining bei Long Covid ist eine Kassenleistung mit Heilmittelverordnung. So kommst du zu deinem ersten Termin:
Verordnung
Deine Ärztin oder dein Arzt stellt dir eine Heilmittelverordnung aus.
Terminwunsch
Du rufst an oder schickst uns deinen Terminwunsch. Vier Angaben genügen.
Erster Termin
Wir nehmen uns Zeit für den Befund und deine Ziele.
Woher die Informationen
stammen
Die ärztliche Leitlinie zu Long- und Post-Covid ordnet die Beschwerden ein, die Heilmittel-Richtlinie regelt die Verordnung. Pacing und Energieplanung beschreiben das übliche Vorgehen der Ergotherapie. Jede Quelle ist mit Stand und Abrufdatum angegeben.
- Long/Post-COVID, Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin, S1-Leitlinie, AWMF-Registernummer 020-027, Stand August 2022, im AWMF-Register als abgelaufen geführtabgerufen am 22.09.2026
- Heilmittel-Richtlinie, Gemeinsamer Bundesausschuss, Fassung in Kraft seit 5. August 2025abgerufen am 22.09.2026
- Begriffsbestimmung Ergotherapie, Deutscher Verband Ergotherapie e. V., Definition des Berufsverbandsabgerufen am 22.09.2026
Häufige Fragen zu Long Covid
Was ist post-exertionelle Malaise (PEM) genau?
Damit ist gemeint, dass sich Beschwerden nach einer körperlichen oder geistigen Anstrengung nicht sofort, sondern erst zeitversetzt verschlechtern, oft erst am nächsten Tag, und dann Tage bis Wochen anhalten können. PEM gilt als eines der wichtigsten Warnzeichen dafür, dass eine Belastung zu groß war.
Ist Pacing dasselbe wie einfach mehr auszuruhen?
Nein. Pacing bedeutet, Aktivität und Pausen im Voraus zu planen und innerhalb der eigenen Grenze zu bleiben, nicht möglichst wenig zu tun. Pacing heißt nicht Stillstand: Es geht darum, die vorhandene Energie so einzuteilen, dass Einbrüche seltener werden. Mehr zu tun ist dabei nicht das Ziel.
Kann ich die Belastung steigern, wenn ich einen guten Tag habe?
An einem guten Tag lieber beim geplanten Maß bleiben. Ein guter Tag verleitet leicht dazu, mehr zu tun, was bei PEM oft erst einen oder zwei Tage später zum Einbruch führt, einem Auf und Ab aus Übertun und Absturz. Ob überhaupt gesteigert wird, entscheidet sich erst, wenn dein Zustand über längere Zeit stabil ist, und dann in sehr kleinen Schritten, die du bestimmst.
Welche Rolle spielt Hirnleistungstraining, wenn vor allem der Körper erschöpft ist?
Kopf und Körper hängen bei Fatigue eng zusammen: Wenn die körperliche Energie aufgebraucht ist, bleibt oft auch weniger Kraft für Konzentration und Gedächtnis. Deshalb ist Energieplanung ein fester Teil des Trainings, nicht nur die Übungen am Tisch, und beide Anteile werden aufeinander abgestimmt statt getrennt betrachtet.
Brauche ich für Long Covid eine bestimmte Verordnung?
Du brauchst eine Heilmittelverordnung für Ergotherapie, meist aus der Hausarztpraxis, einer Long-Covid-Ambulanz oder im Anschluss an eine Reha. Welches Heilmittel auf der Verordnung steht, etwa eine neuropsychologisch orientierte Behandlung, legt die verordnende Praxis fest.
Wie merke ich, ob die Therapie hilft, wenn Fortschritt so langsam ist?
Oft zuerst im Alltag: weniger Einbrüche, Aufgaben, die wieder planbarer gelingen, seltener ganze Tage, die ausfallen. Auch kleine Veränderungen zählen. Wir besprechen sie regelmäßig mit dir und passen den Plan an das an, was sich in deinem Alltag zeigt.
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